Moorkino im Januar

17/01/20 20:00 - 22:30

Moorkino im Januar

„Dat is aber auch still hier drin. Da wird man ja ganz trübsinnich.“ Der Knirps, der das sagt, ist der kleine Hans-Peter Kerkeling, neun Jahre alt, wohnhaft in Recklinghausen. Er macht mal wieder seine Späße, imitiert, was die Erwachsenen so reden und tun den lieben langen Tag. Alle lachen darüber. Aber die, die er am verzweifeltsten erreichen will, die am meisten lachen soll, die reagiert nicht mehr. Seine Mama. Die sitzt nur noch da und schaut aus dem Fenster. Still. Und trübsinnig.
Die Szene wirkt beinahe harmlos, aber hier kämpft ein Kind um das Leben seiner Mutter, mit kleinen Sketchen und feinem Blödsinn, mit nachgesungenen Schlagern und rollenden Kulleraugen. Ein kleiner Unterhaltungskünstler im Clinch mit den Dämonen, die seine Mutter in ihren Klauen halten. Die seiner Familie immer wieder auflauern und ihr Glück zerstören wollen, so bescheiden und klein es auch sei.
Aus großer Tragik entsteht große Komik, und wer sich je gefragt hatte, woraus Hape K. seinen so warmherzigen Humor modellierte und seine Figuren vom Hannilein bis Horst Schlämmer, der bekam 2014 in seinem Buch „Der Junge muss ….“ die Antwort. Als er neun Jahre alt war, hatte sich seine Mutter das Leben genommen.
Zwischen kleinbürgerlichem Ruhrpottidyll und Familientragödie balanciert Caroline Link die Verfilmung von Hape K’s. Autobiografie „Der Junge muss ….“ zu einem herzzerreißenden Film aus.